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Tagebuch der
"Solo Bicycle Expedition" von Tom Couture
10.000 km mit dem Fahrrad auf dem Trans Canada Trail




23. Tag, 2. Juni
Unglaubliche Menschen in Nova Scotia ( 92 km )

Kurz nach elf Uhr morgens wird es ruhiger. Ich packe langsam meine Sachen zusammen und fahre zum Irving Station. „Wo kommst Du her“, fragt mich ein Bediensteter. „Ich habe diese Nacht auf dem Hügel gezeltet“, sage ich. „Es gab einen Sturm diese Nacht. Über 30 Millimeter Regen, du bist bestimmt nass geworden“, entgegnet er. „Ja, das bin ich“, gebe ich zu und fahre weiter.

Nach dieser recht unruhigen Nacht bin ich einfach wieder froh zu fahren. Eigentlich hatte ich geplant, auf dem Trail durch New Glascow und Pictou zu fahren. Auf Grund des vielen Regens und der schwierigen Bedingungen entschiede ich mich aber, auf die Straße zurückzufahren. Ich entscheide mich, auf kleineren ländlicheren Straßen zu radeln. Ich fahre in Richtung Caledonia. Ich muss gegen einen starken Westwind ankämpfen und den Regen über mich ergehen lassen. Deshalb geht es etwas langsamer voran.

Anfang der Woche habe ich eine e-mail erhalten, in der jemand nach meinem Reisekonzept von Osten nach Westen gefragt hat. Aus einigen Gründen habe ich mich für diesen Weg entschieden. Ich war zum ersten sehr neugierig, mal einen Teil des Landes zu sehen, den ich noch nicht kannte. Außerdem wollte ich den Migrationsmustern der Kanadier über viele Jahre hinweg folgen. „Go west“ war mein Motto und mit jedem Tag kam ich meinem Zuhause näher.

Nach drei Stunden erreiche ich heute eine Kreuzung und fahre in Richtung Nordwesten durch Sunnybrae und Glencoe. Schließlich erreiche ich New Glascow. In den letzten drei Tagen bin ich insgesamt über 18 Stunden geradelt und ich fühle mich eigentlich ganz gut, als ich in New Glascow ankommen. Ich halte an, um einen kleinen Snack zu essen. Eine liebenswerte ältere Damen spricht mich an: „ Was machen Sie hier?“ Ich erzähle ihr meine Geschichte und sie fragt mich, wo ich denn beabsichtige, die Nacht zu verbringen. „Jemand hat mir von einem wundervollen Platz unten am Fluss berichtet“, antworte ich ihr. Es war windig, aber trocken. Die letzte Nacht war nur noch eine entfernte Erinnerung. „Nein, das machen Sie nicht. Sie werden bei mir übernachten“, sagt sie mit einem Lächeln. Dies Reaktion entspricht genau dem Eindruck, den ich von vielen Menschen hier in Nova Scotia gewonnen hatte. In der kurzen Zeit, in der ich nun in dieser Provinz war, habe ich mehr als ein Dutzend Einladungen für eine Übernachtung oder ein Essen erhalten. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um der freundlichen Dame eine Zusage zu erteilen. Ich bin einfach unglaublich über die Großzügigkeit der Menschen erstaunt und meine neue Freundin Cheryl Layes bildete hier keine Ausnahme. Dies gibt mir natürlich auch die Möglichkeit, meine Erfahrungen mit den Menschen in dieser Region zu teilen.

Sowohl Cheryl als auch ihr Mann Fred, der im November an Krebs gestorben war, waren stark in die Entwicklung des Trans Canada Trails während der vergangenen Jahr involviert gewesen. Sie betonte immer wieder die Bedeutung des Trails und wie leidenschaftlich Fred in dieser Beziehung war. Beide waren aktive Radfahrer und Jogger, der Trail war Teil ihres täglichen Lebens. Als ich in Richtung Pictou weiterfuhr, dachte ich an Fred und seinen großartigen Beitrag zum Trans Canada Trail. Ich habe diesen Mann leider niemals getroffen. Er mag zwar von uns gegangen sein, aber ich bin sicher, dass ihn niemand so schnell vergessen wird.




24. Tag, 3. Juni
Ein starkes Gemeinschaftsgefühl (42 km)

Heute starte ich recht spät. Ich werde mit einigen Arbeiten an meinem Fahrrad aufgehalten. Bisher war alles hervorragend, was ich nicht zuletzt meiner Fahrrad-Expertin Jody Johnson in Calgary zu verdanken habe. Ich bin nun schon über 1.500 Kilometer gefahren und hatte keinerlei Probleme. Noch nicht einmal einen Platten, unglaublich. Nach zwei Stunden am Nachmittag finde ich den Trail, den Albion Trail, in Stellarton. Auf dem Sampson Trail fahre ich schließlich nach New Glascow. Beide Wege liegen im inneren der Städte und sind stark frequentiert. Der Sampson Trail führt am Fluss und durch einen wunderschönen Stadtpark entlang. Überall, wo ich bisher in Nova Scotia war, fühlte ich ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Dieser Ort war nicht anders. Nach einem kurzen Snack fahre ich wieder auf der Straße in Richtung Pictou. Dies Stadt ist wahrlich wunderschön und als „gateway“ nach Prince Edward Island, über die Caribou Ferry, bekannt. Pictou ist ebenfalls das Zuhause der Hector, einem Segelschiff, das die ersten Siedler im späten 17. Jahrhundert von Schottland nach Nova Scotia gebracht hatte. Der Abend ist wirklich schön und bildet zugleich den Auftakt zum nächsten Abschnitt des Trails, den ich in Nova Scotia befahren werde. Diese liebenswürdige Stadt zieht mich in ihren Bann und versucht mich zu halten.

Ich fahre weiter und gelange nach drei Kilometern an einen wunderschönen Ort direkt am Meer. Dort schlage ich mein Zelt auf. Ich setze mich und schaue dem Sonnenuntergang zu. Ich bin wieder einmal der glücklichste Mensch der Welt.




25. Tag, 4. Juni
Streckenrekord (110 km)

Eigentlich kommt es nicht häufig vor, dass ich zurückfahre. Eine Ausnahme mache ich heute morgen. Ich fahre von meinem Nachtquartier nach Pictou zurück. Dieser Morgen ist wunderschön, wenn mal einmal vom starken Westwind absieht. Ich genieße ein stärkendes Frühstück und bewege mich auf dem Jitney Trail durch Tatamagouche am Tatamagouche Bay. Der Boardwalk und Trail in Pictou ist in einem hervorragenden Zustand. Der Wind stört mich kaum.

Der Trail führt ins Inland, von Pictou auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse durch Lyons Brook Station, Hardwood Hills und Scotisburn. Reiche Farmländer umgeben den Wegesrand. Kurz hinter Scotsburn treffe ich zwei Herren auf dem Trail, John Wile und Rob Fraser. Sie sind beide Biologen bei Ducks Unlimited und Eco Action Canada, die sich mit der Forschung rund um das Thema Biber beschäftigen. Ich habe viele Biber auf meinen Reisen durch Neufundland und Nova Scotia gesehen. Wie süß sind diese Tiere, habe ich immer gedacht. Von den beiden Forschern lerne ich nun, dass diese niedlichen Symboltiere Kanadas auch für kleine Schäden, nicht nur am Trail verantwortlich sind. Im Rückblick kann ich sagen, dass ich einige Schäden an den Wegen gesehen habe, die auf das Verhalten von Bibern zurückzuführen sind. „Biber wählen ihre Orte nach dem Geräusch des laufenden Wassers“, sagt John. „Wenn wir den Geräuschpegel des Wassers verringern können, dann währe es eher unwahrscheinlich, dass Biber dort ihre Dämme bauen.“ Die beiden haben ein Kontrollsystem installiert, dass das Verhalten von Bibern beobachten soll. Ich bedanke mich bei den beiden Biologen für ihre Informationen sowie für die Arbeit, die sie für alle Kanadier und für die Instandhaltung der Wege, auf denen auch ich reise, leisten.

Ich überquere den Big Caribou River und fahre durch River John zum Örtchen Denmark. Dort besuche ich das Sutherland Steam Mill Museum und bin begeistert über diesen Teil der Geschichte, den ich hier präsentiert bekomme. Um die Jahrhundertwende von Alexander Sutherland aufgebaut, ist die Mühle immer noch in Betrieb. Ich danke Rhonda und Cheryl für ihre exzellente Tour und fahre nach Tatamagouche. Mein Tag hatte im Pictou Country begonnen, nun bin ich schon im Colchester Country. Kurz nach vier Uhr nachmittags komme ich an und fühle mich einfach gut. Ich fahre in Richtung Oxfort weiter. Der Wind der letzten Tage hatte sich schließlich gedreht und ich starte durch. Ich erreiche schließlich die Wallace River Bridge im Cumberland Country. Diese wunderschöne Brücke ist vor kurzem wieder aufgebaut worden. Durch Vandalismus war die 150 Meter lange Brücke zuvor beschädigt worden. Die Community in Cumberland Country hat es schließlich geschafft, unglaubliche 64.000 $ aufzubringen, um dieses einmalige Stück Geschichte wieder aufzubauen. Als ich wieder auf die Brücke zurückblicke, sehe ich einen Fischadler auf ihr landen. Vielleicht ein gutes Omen.

Ich fahre einfach weiter und bemerke, dass ich schon über 90 Kilometer unterwegs bin. Obwohl die Sonne langsam untergeht, bin ich einfach von der Landschaft inspiriert. Über fünf Stunden bin ich nun schon unterwegs und ich fühle mich immer noch frisch. Nach genau 100 Kilometern erreiche ich eine Kreuzung, an der Oxford mit zehn Kilometern ausgeschildert ist. Nichts kann mich jetzt mehr stoppen, obwohl die Sonne schon langsam untergeht. Kurz nach 21.30 Uhr komme ich in Oxford an. Also: 110 Kilometer auf dem Trans Canada Trail, drei Counties, ein Museum sowie als Höhepunkt die wunderschöne Stadt Oxford. Was für ein Tag.


© 2003 Orginaltext und Fotos: Tom Couture, Kanada. Übersetzung: Trans Canada Touristik, Hamburg, Deutschland


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